Tag
21: 306km (4562km)

Abfahrt 9:30Uhr

-Rovereto-Brenner Paß-Innsbruck-Scharnitz-Garmisch-Saulgrub-

Die Nacht haben wir gut
verbracht. Auch wenn es etwas ungewohnt ist, nach dem Aufwachen nicht mehr im
Zelt zu liegen. Beim Blick aus dem Fenster scheint sogar ein wenig die Sonne.
Kleiden uns erst mal zivil und gehen zum Frühstücken. Es wartet ein großes
Buffet darauf geplündert zu werden. Danach wieder Sachen packen und auf dem
Moped verstauen. Die Regenkombis haben wir erst mal weggepackt. Was sich als
reichlich optimistisch herausstellt, denn gerade als wir startklar sind,
beginnt es wieder zu Regnen. Da der Himmel nördlich aber etwas besser aussieht,
wollen wir es ohne Gummihaut versuchen. Keine fünf Minuten später hört es auch
schon auf und die Straße ist auch wieder trocken.

Sind schon auf das
Wetter am Brenner gespannt. Die Wirtsleute haben uns berichtet, gestern war der
Brennerpaß wegen Schneefall sechs Stunden gesperrt! Wir lassen uns überraschen.
Der Wind hat wieder ein wenig nachgelassen. Auf der Höhe von Bozen sieht man
die ersten, fast bis auf Etschtal Höhe verschneiten Berge. Auch der Himmel wird
immer grauer und die Wolken hängen tiefer. Bei Brixen machen wir noch mal
Pause, um wenn nötig, auf einen Ritt bis Innsbruck
durch zu kommen. Da der Regen schon fast zu riechen ist, fällt auch die
Entscheidung leicht, die Regenkombi drüber zu ziehen. Es wird auch langsam
frisch. Unser Thermometer zeigt noch 12 Grad. Ab Sterzing beginnt es dann zu regnen
und die Straße verschwindet in der Ferne in den Wolken. Oben am Paß liegen dann
wirklich 20 Zentimeter Schnee neben der Straße und es hat noch FÜNF GRAD! Wir machen nur einen kurzen
Fotostopp und dann geht es weiter.

Da die Nordrampe flacher
abfällt, dauert es länger bis die Temperatur wieder annehmbar wird. Langsam
kriecht die Kälte auch durch die Klamotten. Die letzten zwei Wochen haben wir
uns fast täglich gefragt, ob es Sinn macht, Thermounterwäsche bei teils 30 Grad
spazieren zu fahren. Ich muss sagen, es macht Sinn! Heute sind wir um jedes
Kleidungsstück froh. Kurz vor Innsbruck
werden die Temperaturen wieder angenehmer und das Wetter etwas freundlicher. In
der Stadt, bei einem amererikanischen Spezialitätenrestaurant, machen wir
Pause. Ein wenig auftauen und das kostenlose W-Lan für den Wetterbericht
nutzen. Doch der meint, es wird wieder naß werden. Wir entschliessen uns, die
selbe Route von der Herfahrt einzuschlagen und so geht es nach Scharnitz. An
der letzten Tankstellle in Österreich machen wir noch mal voll. Nach dem Stopp
schüttet es wieder wie aus Eimern. Und da ist es auch wieder! Bei niedriger
Drehzahl fängt der Motor wieder an zu stottern und man muss aufpassen, dass er
nicht ausgeht. Das nervt! Kurz hinter der Grenze rollen wir in eine kleine
überdachte Tankstelle, um nach dem Moped zu sehen. Kristina verschwindet ohne
Ansage im Laden und bringt erst mal zwei heiße Kaffee! Super Idee!

Mittlerweile lässt mich der Gedanke nicht
los, die Motoraussetzer hängen mit Zündung und Wasser zusammen.
Hmmmm…….Kontaktspray! Also ich rein in den kleinen Laden der Tankstelle und
frage den netten Herrn hinter der Kasse. “ Schau mal in dem Regal hinter dir,
da könn´st was finden!” Und siehe da, eine kleine Sprühdose Kontaktspray.
Draußen am Moped flute ich erst mal alles damit was irgendwie mit der Zündung
oder Lichtmaschiene zu tun hat. Weiter geht es nach Garmisch. Teils regnet es
wieder heftig, aber das Motorrad scheint zu laufen. Nach dem Ortsausgang biegen
wir Richtung Oberammergau
ab. Es regnet natürlich immer noch und so geht es gemächlich den Berg hinauf.
Und urplötzlich rutscht mir wieder das Hinterrad weg. Diesmal in einer
Rechtskurve. Es kommt zum Glück kein Gegenverkehr und wir kommen vor dem hohen
Bordstein auf der anderen Seite zum stehen. VERDAMMT! Der Belag ist wieder
völlig schmierig. Heben unseren Grempl erst mal auf und schieben an den
Straßenrand. Kristina hat sich anscheinend die Hand etwas angeschlagen, meint
aber, es sei alles in Ordnung. Bei mir ist weiter nichts, nur das Regengewand
hängt etwas in Streifen. Naja, am Moped hat sich die rechte Seite jetzt der
Linken angepasst und die rechte Packtasche ist auch durch! Sch…..!!!! Wir
fahren weiter. Ein paar Ortschaften später halte ich noch mal, um zu
beratschlagen.

Da uns die gestrige
Zimmersuche als durchnässte Motorradfahrer noch gut in Erinnerung ist, beginnen
wir langsam damit. In Saulgrub sehen wir von der Hauptstraße aus eine Pension.
Fahren auf deren Parkplatz und Kristina geht schon mal rein, während ich am
Moped warte. Müssen ja bestimmt gleich weiter. So auf dem Motorrad im Regen
sitzend lese ich einige Schilder. Da steht überall was mit Sinne frei machen
und Meditation und Bayrisches Paradies?! Kristina kommt wieder raus und
hinterher schon die Wirtsfrau mit einem Wäschekorb für unsere nassen Sachen!
Super! Nachdem ich abgepackt habe und uns aus den Regenkombis befreit, kann ich
sogar in einer Garage parken. Die Leute hier sind herzlich freundlich, aber
alle irgendwie so, als könnte man ihnen ein Löschblatt unter den Füßen durchziehen.
Egal, wir bekommen den Zimmerschlüssel und auch die Sauna wird extra für uns
angeheizt. Erst mal heißt es unsere nassen Sachen auf der Bude aufzuhängen.
Danach nehmen wir die Einladung mit der Sauna gerne an. Tut richtig gut nach so
einem Tag.

Zum Abendessen gehen wir ins
hauseigene Lokal. Das Essen dort ist
richtig gut und auch reichlich. Immer wieder kommen kleine Aufmerksamkeiten aus
der Küche. Sogar ein selbstgebrannter Bierschnaps wird uns noch spendiert.
Sitzen noch eine ganze Weile, unterhalten uns mit den Hausleuten und den
anderen Gästen. Ein angenehmer Aufenthalt bis jetzt. Am Zimmer schreib ich noch
meine Hausaufgaben bevor wir müde und satt ins Bett fallen.

Wieder aller Hand erlebt heute!