Tag
15: 15.05. 152km (3011km)

Abfahrt 10:00Uhr

Tour vom Platz aus

-Tortolli-Lotzorai-Tiei-Schlucht
Goroppu-Urzulei-Lotzorai-Camping Platz

Durch den warmen Wind am
gestrigen Abend, hatten wir Nachts Sauna im Zelt. Kristina holt sich erst mal
wieder ihre Abkühlung im Meer. Anschließend gibt es Frühstück. Da heute bis ca.
elf Uhr unsere Reifen kommen sollten, wollen wir erst mal nach Tortolli.

Bei der Stadtdurchfahrt
halten wir noch an einem Souvenierladen. Möchten ein Sardinien T-Shirt für uns
beide. Eine Vielzahl an Motiven und Farben, aber so richtig hat uns Keines
gefallen. Da wird sich aber noch eine Gelegenheit ergeben. Nun erst mal zum
Reifenhändler.

Wir sind noch nicht mal
richtig auf den Hof
gefahren, kommt der nette Angestellte schon angelaufen, grinst über das ganze
Gesicht und zeigt uns Daumen hoch. Super, unsere bestellten Reifen sind
gekommen. Es war zwar beruhigend zu wissen, auf jeden Fall irgendwelche Schlappen
zu bekommen, aber mit unseren bestellten bin ich viel zufriedener.

Es ist schon später Vormittag
und es sind einige Mopeds vor uns. Ein Mechaniker der immer an zwei Motorräern
gleichzeitig schraubt, ist schon fleißig an der Arbeit. Bei seinem Kollegen wird
die Montiermaschiene gar nicht kalt. Als unser Moped an der Reihe ist gehe ich
den Jungs ein wenig zur Hand. Zwischenzeitlich sind dann doch ein einhalb Stunden
vergangen. Der Service dort ist wirklich zu empfehlen. Die Mechaniker bekommen
noch Trinkgeld und wir machen uns auf den Weg.

Unser Ziel ist die Schlucht,
die uns der nette Herr aus dem Motorradteileladen versucht hat zu erklären. Da
die Beschreibung schon drei Tage her ist, diese auch noch in Italienisch mit
wilder Gestig, finden wir den Einstieg in die Schlucht natürlich nicht auf
anhieb. Die Abstecher sind aber auch sehenswert und so gestaltet sich die Suche
nach dem richtigen Abzweig recht kurzweilig.

Am richtigen Abzweig
angekommen, führt uns ein schmales Asphaltband, das in den Fels geschlagen ist,
wieder in die Hochebene.

Als die Teerdecke endet,
kommen wir an eine Steigung. Die Straße wird auch schmäler. Auf halber Höhe des
Anstiegs kommen plötzlich oben über die Kuppe fünf komplett aufgemotzte Toyota
Land Cruiser entgegen. Trotz der schmalen Fahrbahn machen die nicht mal Anstalten,
langsamer zu fahren, geschweige denn anzuhalten. Die haben die selbe
Sonderausstattung wie Daimler Fahrer. Eingebaute Vorfahrt!

Auf der letzten Kante vom
Seitenstreifen passen wir irgendwie an den Dickschiffen vorbei, ohne am Fels
oder den Kotflügeln der Kisten, hängen zu bleiben.

Danach tut sich eine
herrliche Landschaft auf. Ein riesiges Hochtal mit toller Aussicht.

Anschließend windet sich die
Schotterpiste in ein trockenes Flussbett hinunter, wo mal wieder die Brücke
fehlt.

Auf der anderen Uferseite mündet der Weg bergwärts in
einen märchenhaften Wald. Gedrungene, knochige und wild verschlungene Bäume
säumen die Seiten. Immer wieder an steileren Stellen ist der Weg komplett mit
Kopfsteinpflaster belegt. Große, leicht
rundliche Pflastersteine, die bei langsamer Fahrt echt nervig sind. Man hat das
Gefühl, jeden einzelnen mitzuzählen. Also dann eben etwas schneller! Schon geht
es prima über das Gerüttel drüber.

Mit stetigem auf und ab
schlängelt sich der Weg, scheinbar endlos durch den Wald.

Bloß gut, dass die Blechkisten
vom Anfang uns nicht hier begenet sind!

Doch plötzlich scheint der
Weg an einem Wendehammer ähnlichen Platz, mittig mit einer alten Eiche, zu
enden. Rings um den Baum stehen drei oder vier VW- Busse. Gerade als wir
anhalten wollen, schaut ein Mann hinter dem Bus vor und winkt uns zielstrebig
seitlich an seinem Auto vorbei, in einen etwas breiteren Wanderweg!

Gut, wenn der meint! Vorbei
am Bulli, einen kleinen Absatz hinunter führt der Weg etwas abschüssig weiter,
wo uns auch gleich ein paar Männer mit irre viel Ausrüstung auf dem Rücken
entgegenkommen. Nach nur ein paar hundert Metern ist aber dann wirklich
Schluss. Der Wanderweg zwar nicht, aber für uns. An einem Infoschild, wo etwas
über die Schlucht und deren Entstehung geschrieben steht, lassen wir unser
Moped stehen.

Es geht zu Fuß weiter. Wenn
wir die Beschreibung vom Motorradladen richtig interpretieren, muss es hier
ganz in der Nähe einen tollen Ausblick in die Schlucht geben.

Nach nur wenigen Minuten auf
dem alpinen Steig kommt uns eine Frau, auch sehr bepackt, entgegen. Auf
Englisch fragt sie, ob uns ein paar Männer begenet sind und wenn ja, in welche
Richtung sie unterwegs waren. Sie bekommt freundlich Auskunft, um uns bei ihr
auch gleich nach dem Aussichtspunkt zu erkundigen. Mit Blick auf unser
Schuhwerk meint sie noch, der Weg sei sehr steil und steinig.

Noch ein paar Gehminuten weiter,
laufen wir etwas abseits auf ein paar Felsbrocken zu. Dort
angekommen, blicken wir in die Goroppu-Schlucht hinunter. Eine, in Bogenform,
fast senkrechte Felskante, mit einem tiefen V-förmigen Einschnitt.

Wir machen uns einen bequemen
Sitzplatz auf den Steinen zurecht, um die Aussicht zu genießen.

Mittlerweile ist es halb
vier. In entgegengesetzter Richtung geht es auf den Rückweg. Mit etwas
Streckenkenntnis und gewonnenem Vertrauen zum Rüttelpflaster erreichen wir
zügig wieder die Hauptstraße.

Beim Pflichtbesuch in einer
Bar, fällt die Entscheidung uns noch für den Tourentipp zu bedanken. Da auf der
topfebenen Passstraße sich etliche Motorradfahrer tummeln, nehmen wir noch
einen Abstecher in ein Seitental Richtung Tortolli. Ein schmales, aber gut ausgebautes
Sträßchen windet sich in Kehren und Kurven hinab.

Am Laden angekommen,
versuchen wir trotz Verständigungsproblemen, uns zu bedanken.

Der Besitzer ist sichtlich
erfreut darüber und erzählt sofort ganz Stolz seiner Kundschaft, wo wir heute
waren. Er verabschiedet uns noch persönlich am Moped und wir winken noch mal
freundlich, bevor wir die Gasse verlassen.

In Bari Sardo gehen wir
wieder zum Einkaufen. Kristina hat heute Morgen von der netten Frau an der
Rezeption einen Tipp zum einheimischen Essen
bekommen. Holen uns Gulurgionis (gefüllte Teigtaschen) und Sebadas (gefüllter
Pfannkuchen).

Zurück am Platz treffen wir Marion und Jürgen.
Quatschen ein wenig über den Tag und tauschen Tourentipps aus.

Dann wird gekocht! Im Moment
haben wir ja den Luxus von zwei Kochern und können so richtig brutzeln.

Erst gibt es die gefüllten
Teigtaschen mit Tomatensoße, Parmesan und Salat. Zum Nachtisch dann, die mit
Schafskäse gefüllten Pfannkuchen, dick mit Honig bestrichen. Hört sich abenteuerlich
an, schmeckt aber richtig lecker.

Am Abend hat es heftig
abgefrischt und wir sitzen noch mit langen Sachen draußen. Auch der Wind ist
etwas stärker geworden. Kristina hatte es schon beim Baden
gemerkt und mit den Wellen gekämpft.

Wieder ein herrlicher Tag mit wunderschöner Tour!