Tag
14: 14.05. 162km (2859km)

Abfahrt 9:15Uhr

Tour vom Platz aus

– Lanusei – Villanova – Nationalpark
– Monte Olinie –Talana -alte Straße Villagrande-Lanusei – Camping Platz

Die Nacht war wieder
angenehm. Schon seit ein paar Tagen werden wir am Morgen sanft von den
Handwerkern geweckt, die dabei sind, das Restaurant aus dem Winterschlaf zu
holen und noch das ein oder andere zu reparieren.

Machen schön gemütlich unser
gewohntes Morgenprozedere.

Da uns der Naturpark sehr
gefallen hat, wollen wir heute etwas weiter nördlich wieder hin.

Zuerst heißt es aber Tanken.
Denn selbst mit einem halb vollen Tank kann einem beim Abstecher dann doch mal
das Benzin knapp werden. Die Strecke Bari Sardo-Lanusei kennen wir ja schon.
Der Versuch ist, auf einer Nebenstraße nach Lanusei zu fahren, was aber erst
aufs zweite Mal klappt.Der Weg führt zwischen Obstgärten hindurch. Bei einem
Stopp können wir nicht wiederstehen, dem Besitzer die Kostprobe abzunehmen und
“klauen” uns eine Zitrone vom Baum. Die Straße, teils Schotter, teils Teer.
Kurz vor Lanusei blicken wir noch in eine kleine, schöne Schlucht.

In Lanusei selbst ist heute
Markt. Man hat das Gefühl, die ganze Gegend ist auf der Straße zum Einkaufen. Doch
schon am Ortende ist der Verkehr vorbei. Am Lago alto di Flumendosa, an einer
Kreuzung, halten wir zur Orientierung an.

Weiter geht es die alte
Straße nach Villanova, von wo ein Abzweig Richtung Talana geht. Es geht leicht
bergan und die Hochebene beginnt wieder. Ein kurzer Abstecher auf eine
Nebenstraße bringt uns an einen schönen Aussichtspunkt, wo eine kurze Pause
ansteht. Der Weg geht dann aber in der falschen Richtung weiter und wir kehren
um. Nur ein paar Kilometer später, erneuter Abstecher. Dieses Mal aber ein
Schotterweg. Schon nach einem kurzen Stück müssen wir durch einen Bach. Danach
wird es steiler und auch schlechter zu fahren. Noch etwas kuriert von der
Aktion vor zwei Tagen, lass ich Kristina an einem schönen Aussichtspunkt
absteigen. Das Geröll und die Steine werden wieder mehr. Ich fahre noch ein
Stück bis auf das Plateau. Ein herrlicher Ausblick auf die umliegenden Berge.
Wieder zurück genießen wir noch die Landschaft und beobachten Mistkäfer bei
iher Arbeit.

Anschließend geht es weiter
Richtung Talana.

In einer Kurve, fast auf
Passhöhe, sieht Kristina einen Wegweiser: See-Picknick. Schlagen den Weg ein
und gelangen noch tiefer in die Hochebene. Nach ein paar Kilometern wird die
Straße wieder zur Piste. Fast Topfeben und super zu fahren. Kommen an den
ausgeschilderten Picknickplatz und machen Rast. Schön angelegt mit gemauerten
Bänken und einem Brunnen. Den nutzen wir gleich, um unseren Trinkrucksack
wieder zu füllen.

Von dort aus geht die Piste
weiter. Die Beschilderung ist inzwischen aus Felsplatten, auf denen Ortsnamen
oder auch die Namen der Berge
geschrieben sind.

Nur wenige Kilometer weiter
ist Ende. Ein großes Tor versperrt die Weiterfahrt. Da wir uns nicht sicher
sind, ob es nur Weidegatter oder Sperrtore sind, kehren wir um.

Ungefähr auf halber Strecke
gab es aber noch den Abzweig zu einem See. Den wollen wir versuchen.

Fahren das Stück zurück und
biegen ab. Die Straße ist wieder geteert und geht etwas bergab. Nach einer
Kurve stehen auf einmal, wie aus dem Nichts, Esel. Mitten auf der Straße. Ich
halte mit etwas Abstand an um sie nicht zu erschrecken. Als ich dann die Hand
zu ihm ausstrecke, kommt der größte von ihnen auf uns zu. Brav bleibt er neben
uns stehen. Wir können ihn sogar streicheln, herrlich.

Fahren vorsichtig weiter,
damit die Esel nicht aufgeschreckt werden. In einer Kurve fehlt dann fast
wieder die ganze Fahrbahn. Eine Mopedbreite ist noch da. Nur ein kleines Stück
weiter fehlt dann die ganze Brücke. Weggeschwemmt! Sehen uns kurz um und finden
Autospuren in das Flussbett hinein.

Wieder mit etwas Abstand zum
Anfahren halte ich vorher an. Diesmal sieht es so aus, als wäre es etwas
tiefer. Auch die Ausfahrt auf der anderen Uferseite ist steiler. Kristina
steigt sicherheitshalber mal ab. Ich setze an und komme ohne Probleme durch. Es
ist zwar kein reißender Strom, doch die Tiefe reicht aus, um beim Durchlaufen
mit den Stiefeln oben einzuschöpfen. Da ich meiner besten Beifahrerin nasse
Füße ersparen will, fahre ich zurück, um sie dann doch per Achse zu holen. Wir
sitzen beide im Sattel und ich fahre an, als uns auf der anderen Uferseite, ein
weißer Land Rover mit Parkrangern entgegenkommt. Im ersten Moment denke ich
mir, jetzt wird es Ärger geben. Der allerdings, sieht uns, hält sofort an und
winkt uns zu, um die Durchfahrt zu nehmen. Das gelingt auch trotz der
Wassertiefe wie aus dem Bilderbuch. Winken den beiden Rangern noch freundlich
zu und fahren auf der anderen Seite weiter. Die Straße ist wieder in einem
relativ guten Zustand und folgt weiter dem Flussbett. Einige hundert Meter
weiter, fällt uns auf, das Wasser ist plötzlich dreckig und ein paar Wellen
schieben sich durch den Bach.

Gedanken schießen plötzlich
durch meinen Kopf. Der See ist vielleicht ein Rückhaltebecken, Morgen ist Regen
gemeldet, die Straße dorthin ist eine Sackgasse, die Ranger haben eventuell das
Becken geöffnet, um Platz zu machen, für den Regen der kommen soll, wir müssen
noch mal durch den Fluss!

Da wir keine Ahnung haben, ob
wir mit unserer Vermutung Recht haben, kehren wir sofort um, damit die
Durchfahrt nicht all zu tief wird. Bei der Furt ist auch schon das Dreckwasser
angekommen und etwas tiefer als vorher. Es geht aber noch ohne Probleme.

Zurück auf der Hauptstraße
fahren wir wieder Richtung Talana. An der nächsten Passähnliche Höhe sehen wir
einen Wegweiser “Monte Oline”. Das lassen wir uns nicht zweimal sagen und
folgen.

Von der Straße ab, auf einen
Schotterweg, geht es gemächlich bergauf und man gelangt erst mal an einen Bergsattel.
Der Blick von dort ist echt der Hammer. Nach Osten über eine senkrecht abfallende
Felskante bis zur Küste, nach Westen in die Hochebene. Ein paar hundert
Höhenmeter tiefer entdecken wir auch eine interessante Straße, die mit kaum
Höhenunterschied der abstürzenden Felskante folgt.

Doch erst mal den Weg noch
weiter Richtung Gipfel. Teils sehr steil, aber gut zu fahren, ist mal wieder an
einem Tor Ende. Dieses mal aber abgeschlossen. Dahinter befindet sich ganz oben
auf dem Berg eine Sendestation. Egal, eine Sackgasse mit super Ausblick!

Nun geht es aber entgültig
nach Talana, um unsere Kaffeepause zu bekommen. Unweit der Kirche und dem
Rathaus gibt es eine Bar. Da es keinen Bürgersteig gibt, stehen Tisch und
Stühle einfach am Straßenrand. Wie schon gewohnt, bestellen wir Cappuccino,
Cola, Wasser und diesmal Pizzasette. Kannten wir zwar noch nicht, schmeckt aber
lecker. Das Freiluftkino hier mitten im Dorf ist herrlich. Einheimische hupen
und winken sich zu, jeder scheint hier jeden zu kennen.

Satt und ausgeruht geht es
nur ein kleines Stück zurück bis zu einem Abzweig, wo wir die von oben gesehene
Straße vermuten. Alte Torpfosten links und rechts der Straße erinnern an eine
Sperrung der Strecke. In Sichtweite vor uns fährt ein Fiat Panda und lässt
hoffen, dass die Straße weiter geht. Kurz darauf wird auch klar, warum diese
Route nicht immer zu befahren war. An den Stellen wo sich die Fahrbahn duch
eine Felsrinne schwingt, die steil vom Berg herab kommen, ist immer wieder die
komplette Straße ins Tal hinunter gerissen. Fels- und Erdrutschte haben hier
ganze Arbeit geleistet. Es gibt aber immer ein Drüber kommen. Entweder eine
“Panda Breite” als restlichen Fahrweg oder eben Felsbrocken, die mit Beton
übergossen wurden.

Auch der Ausblick ist
herrlich. Der Blick reicht immer bis zur Küste.

Nach ungefär zehn Kilometern
kommt man nach Villagrande, ein schönes, ruhiges Bergdorf.

Von dort aus machen wir uns
auf den Weg über Lanusei nach Bari Sardo. Unweit der Tankstelle haben wir einen
Haushaltswarenladen gesehen. Dort möchten wir
uns eine neue Espressokanne kaufen. Nicht das wir noch keine hätten, aber bei unserer
ist schon vor ein paar Tagen beim Öffnen der Henkel abgebrochen. Um weiter
Kaffee trinken zu können, musste ich immer mit einer Zange die Kanne anpacken,
was etwas unbequem ist.

Im Laden angekommen, finden
wir auch gleich ein passendes Stück. Hinter dem Verkäufer im Regal sehe ich
Gaskartuschen. Mittlerweile haben wir zwar Ersatz, doch unser alter Kocher wäre
uns doch lieber. Ich zeige ihm das Foto unserer Schraubkartusche. Der
freundliche Herr hinter dem Tresen schüttelt mit dem Kopf, schickt uns aber in
ein Bootszubehörgeschäft. Dort angekommen
gehen wir rein, zeigen brav wieder unser Foto. Fast wortlos dreht sich der
Verkäufer um, läuft zielstrebig auf ein Regal zu und bringt uns eine passende
Kartusche. Super, jetzt können wir sogar richtiges Menü kochen mit zwei
Kochstellen.

Der Gemüseladen hat heute
leider schon zu. Zurück am Platz kaufen wir im Laden dort noch Zutaten für
Tomatensalat. Da der Wetterbericht Regen gemeldet hat und der Wind auch
auffrischt, haben wir unser Sonnensegel gespannt. So gibt es dann vor dem Zelt
noch einen trockenen Sitzplaz. Dann kochen wir Risotto und machen Salat.

Zwischenzeitlich kommt unser
“GS-Freund” Jürgen bei uns vorbei und erzählt, sie sind unsere Kupplungsqualm-Tour
nachgefahren. Sichtlich geschafft meint er: Ihr seid ja verrückt, die Strecke
zu zweit auf einem Moped! Wir plaudern noch kurz bevor es über das Essen hergeht.

Den Abend verbringen wir noch
gemütlich vor dem Zelt. Der Wind, der über die Berge aus dem Landesinneren
kommt, fühlt sich an wie ein Fön. Um halb neun zeigt unser Thermometer noch 31
Grad!

Es war wieder ein herrlicher
Tag!